Die Fragen der Zeit

Ohne Titel

Pompöse Predigten und unantastbare Erhabenheit schrecken nicht nur ab, sie sind auch unzeitgemäß. Dabei ist die Botschaft der Bibel einfach wie genial: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ – jede Marke wünscht sich einen derart aussagekräftigen Slogan.

Wie hat es Kirche also geschafft, in der Zeitspanne eines halben Jahrtausends im mittelalterlichen Jargon und in komplexer Liturgie stecken zu bleiben? Und wie kann sie moderner, verständlicher kommunizieren, ohne dass die ursprüngliche, heilige Botschaft verloren geht? Denn wer kann heute noch aus dem Stegreif sagen, was die Begriffe Katechumenat, Eucharistie, Reminiszere oder Kasualien bedeuten?

Diesen und anderen kritischen Fragen muss sich Kirche stellen, sagt Peter Frey, Chefredakteur des ZDF. In den vergangenen Jahren habe Kirche überfällige Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen Entwicklungen „immer erst auf massiven öffentlichen Druck hin offen ausgetragen“. Dies führe zu Kirchenaustritten und ungestillten Kommunikationsbedürfnissen. In der Titelstory des sinnstiftermags Nr. 17 gibt Peter Frey einen Blick auf die Beziehung Kirche – Medien.

„Dann sagte Jesus zu ihnen: Geht hin in alle Welt und verkündet der ganzen Schöpfung das Evangelium!“, heißt es in Markus 16. Fast 500 Jahre ist es her, dass Martin Luther dieses Evangelium ins Deutsche übersetzte, es dem „Pöbel“ ohne Latein- oder Griechisch-Kenntnisse zugänglich machte. Durch ihre neue Verständlichkeit wurde die Bibel das erfolgreichste und meistgelesene Buch der Welt. Christliche Parabeln und biblische Metaphern bestechen noch heute durch ihre schlichte Zeitlosigkeit und Übertragbarkeit – wenn sie nicht durch den Stilmittel-Fleischwolf gedreht werden. Wenn Kirchenleute in Rätseln sprechen, aus der Kanzel zum Volke predigen, zweifeln Gläubige aber oft an ihrer eigenen Aufnahmefähigkeit, fühlen sich unverstanden, falsch repräsentiert.

„Wer sich seiner eigenen Botschaft nicht sicher ist, wem die innere Begeisterung fehlt, der flüchtet sich allzu gerne in die gewohnten Floskeln“, behauptet Bernhard Remmers, Journalistischer Direktor des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp). Dabei werde viel zu oft die eigene Authentizität vernachlässigt. Um authentisches Auftreten geht es auch in der Schauspielerei: „Priester, Kirchenleute und Diakone haben mit Schauspielern eines gemeinsam: das Wort“, sagt Ludger Burmann, Schauspieler, Kabarettist und Imageberater. Im Telefoninterview erklärt er, warum ihm das Coachen von Kirchenleuten wichtig ist. Damit ist die Nr. 17 die erste sinnstiftermag-Ausgabe mit zwei Interviews.

Schnörkellose, auf das Wesentliche reduzierte Sprache muss nicht einfallslos oder öde sein. Im Gegenteil, sie bietet Platz für subjektive Empfindungen und persönliche Interpretation. Sie gibt jedem das, was er braucht. Jedoch ist es eine schwierige Aufgabe, einfach zu kommunizieren. Wolf Schneiders Rede „Bloß kein Kirchendeutsch – von Luther und Jesus lernen“ vom 3. Christlichen Medienkongress thematisiert genau diese Problematik. Die Redaktion des sinnstiftermags freut sich, dass sie den Vortrag in voller Länge veröffentlichen darf.

Die neue Ausgabe von sinnstiftermag zum Thema „Kirche/Deutsch – Deutsch/Kirche: Wenn Kirchenleute in Rätseln sprechen“ finden Sie unter http://www.sinnstiftermag.de

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